Medizin-Geschichten

Die Heilpflanze des Monats September 2014
Kurioses, Bizarres, Interessantes

Folge 29: Echtes Eisenkraut (Verbena officinalis)

Eine eher unscheinbare Pflanze mit kleinen, blassen rosa bis violetten Blüten ist das Echte Eisenkraut. Es kommt überall auf der Welt vor und gilt sicher oft als ein typisches Unkraut. Aber allein die vielen Synonyme zeigen, dass es eine besondere Bewandtnis haben muss mit dieser Pflanze. Da sind zum Beispiel Namen wie Druidenkraut, Eisenhart, Eisenherz, Heiligkraut,  Junoträne, Sagenkraut, Stahlkraut, Traumkraut, Venusader, Wundkraut, Wunschkraut. Und so ist es auch: Seit der Antike wird das Eisenkraut verehrt und in heiligen Kulten verwendet.

Im alten Ägypten wurde die zarte Pflanze „Träne der Isis“ genannt. Sie wurde bei feierlichen Gelegenheiten verbrannt. Für die Römer war die Verbena die wichtigste Pflanze der Flora. Es musste immer ein Bündel davon auf dem Altar des Jupiter liegen. Eisenkraut wurde zur rituellen Reinigung von Tempeln verwendet. In Rom und im antiken Griechenland trugen Würdenträger Kopfschmuck aus Eisenkraut. Auch die keltischen Druiden hielten das zarte Pflänzchen hoch. Eisenkraut war eine der drei heiligen Pflanzen der Druiden (die anderen waren Mädesüß und Brunnenkresse, eine vierte war die Mistel).

Doch das Eisenkraut wurde auch als Zauber- und Beschwörungsmittel benutzt. Der Name „Eisen“-kraut deutet schon darauf hin: Die Pflanze sollte das beste Mittel gegen Verwundungen durch Eisenwaffen sein. Eisenkraut galt als Heilmittel für alle Kriegswunden. Diese wundersame Eigenschaft schrieben schon die alten Ägypter der Verbene zu. Römische Soldaten trugen Eisenkraut mit sich als Schutz vor Verletzungen. Später wurde die Pflanze sogar bei der Eisenverhüttung zugesetzt.

Das Eisenkraut galt im Mittelalter schlicht als ein Allheilmittel. Es sollte sogar unsterblich machen können. Einer solch mächtigen Pflanze wurde natürlich auch der Schutz vor Verwünschungen aller Art zugetraut. Um sich vor Behexung zu schützen, trugen die Menschen sogar Eisenkrautblätter und –wurzeln um den Hals. Eisenkraut war also Jahrtausende lang alles andere als ein Unkraut.

Quellen:

u.a.  Gerhard Madaus: „Bioheilmittel“ und verschiedene Internetseiten

Ursula Armstrong | Redaktion | Sperberweg 2 | D-82152 Krailling | Telefon: +49 (0) 163 / 313 21 10 | e-mail: mail@uschi-armstrong.de | www.redaktion-armstrong.de

Alle Heilpflanzen des Monats

Eisenkraut

Die zart lila Blüten des Eisenkrauts. Das Eisenkraut, die echte Verbene, wird oft verwechselt mit der Zitronenverbene, die ebenfalls zur Familie der Eisenkräuter gehört. Zitronenverbene wird sogar mitunter als „duftendes“ oder „wohlriechendes Eisenkraut“ verkauft. Zitronenverbene hat nicht nur kleine weiße Blüten, es duftet und schmeckt, wie der Name schon sagt, intensiv nach Zitrone. Das Echte Eisenkraut dagegen riecht unauffällig und schmeckt bitter. Foto: Armstrong